Am 8. März wird in jedem Jahr der Internationale Frauentag begangen. Der Landesintegrationsrat NRW macht anlässlich dieses Tages darauf aufmerksam, dass die Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern Frauen mit Migrationshintergrund umso härter trifft. Er appelliert an Politik und Öffentlichkeit, Migrantinnen nicht als sich unterordnende Opfer zu behandeln. Stattdessen müssten die Fähigkeiten der Frauen gefördert und ihre Lebensleistungen anerkannt werden.
Der Internationale Frauentag erinnert an die Emanzipationsbewegungen der Frauen, insbesondere der Arbeiterinnen, im späten 19. und im 20. Jahrhundert. Die Forderungen der Frauen in damals nach sozialer und politischer Gleichberechtigung sind auch heute noch aktuell, auch wenn viel erreicht wurde. Nach wie vor sind die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen teils eklatant, in Spitzenpositionen der Wirtschaft sind sie nur selten zu finden. Oft müssen Frauen in ihrem alltäglichen Leben vielfältige Probleme bewältigen. Sie unterliegen Mehrfachbelastungen wie Erwerbstätigkeit, Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit. Zudem sind sie häufiger betroffen von Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalterfahrungen.
„Ein Migrationshintergrund verschärft diese Probleme, da zu der Diskriminierung als Frau die Diskriminierung als scheinbare Fremde hinzukommt“, betont Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates NRW. „Mädchen mit Migrationshintergrund müssen sich neben alterstypischen Entwicklungsaufgaben auch mit Vorstellungen von Zugehörigkeit und Identität auseinandersetzen. Sie fühlen sich oft nicht angenommen und haben das Gefühl, zwischen ‚zwei Stühlen‘ zu sitzen“, so Keltek weiter.
Auf der anderen Seite gilt für Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund, dass sie Fähigkeiten und Potentiale haben, die sie nur unzureichend in die Gesellschaft einbringen können. Besonders auffällig ist, dass Frauen mit Migrationshintergrund in den politischen Parteien, insbesondere in höheren Positionen, völlig unterrepräsentiert sind. Tayfun Keltek verweist in diesem Zusammenhang auf die Zusammensetzung der Integrationsräte in NRW: „Wir stellen fest, dass das Interesse an politischer Mitwirkung bei den Migrantinnen erheblich ist. Seit Jahren beobachten wir eine zunehmende Beteiligung von Frauen in den kommunalen Gremien.“

Der Weltfrauentag mahnt uns, auch heute nicht nachzulassen im Kampf um die Gleichberechtigung. Wie eine gelungene Integration erfordert diese den Abbau von Chancenungleichheiten und eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Tatsächliche Gleichberechtigung ist das Ziel – in Ausbildung, Beruf und politischen Ämtern. „Da dieses Anliegen für den Landesintegrationsrat von großer Bedeutung ist, führen wir am 14.04.2016 in Düsseldorf eine Veranstaltung zum Thema „Migrantinnen in der Politik“ durch. Die politische, soziale, berufliche und kulturelle Teilhabe von Migrantinnen und Migranten an einer Einwanderungsgesellschaft wie Deutschland ist eine wichtige Voraussetzung für den Integrationsprozess. Im Rahmen der Veranstaltung werden wir uns mit Möglichkeiten der politischen Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund sowie ihren rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen“, so Keltek anschließend.

»Druckversion (PDF)